Und was ist Ihr Beruf?
“Und was ist Ihr Beruf?” – Das fragte mich vor ein paar Tagen ein junger Mann, der – wie ich – an der „After Work Power Night“ („ein initialzündendes Abendseminar“ laut Ausschreibung, Thema: Kommunikation) teilnahm. Ich hatte mich für den Abend als Seminartesterin angemeldet, musste keine Seminargebühr bezahlen und durfte am Ende Seminarkritik üben. Für mich als Arbeitssuchende mit geringem Budget ein attraktives Angebot.
Dann kam also obige Frage. Wer will schon sagen, ich bin gerade arbeitsuchend? Wenn ich das jetzt also gefragt werde, sage ich, ich lese, schreibe, recherchiere, arbeite mit Word und Excel, prüfe Abrechnungen und bin mein eigener Arbeitgeber. Der junge Mann nickte – was er wohl aus meiner Beschreibung für sich gemacht hat? Es kam keine weitere Frage.
Und das stimmt alles: Ich lese Stellenanzeigen ohne Ende im Internet, in den Zeitungen, bei Jobbörsen. Ich schreibe Bewerbungen – jede Woche mehrere. Ich recherchiere über die Firmen, die die Stelle angeboten haben, um das Anschreiben individuell abzustimmen. Für die Bewerbungen nutzte ich Word, für die Meldung meiner Bewerbungen ans Arbeitsamt verwende ich eine Exceltabelle, in der Firma, Stellenbezeichnung, Ort, Datum der Bewerbung, Art der Bewerbung: E-Mail oder per Post, und weitere Reaktionen der angeschriebenen Firma akribisch eingetragen sind. Jeden Monat prüfe ich die Abrechnung des Arbeitslosengeldes (wenn ich mal etwas dazuverdient habe, tun sich da immer wieder Schwierigkeiten auf). Ja, und all diese Arbeit gebe ich mir selber. Na ja, fast. Die Arbeitsagentur verlangt natürlich Bewerbungen, aber das vergesse ich immer und denke nur an mein Interesse, eine Stelle zu finden.
Wie Sie sicher gemerkt haben, sind meine Bewerbungen und Vorstellungsgespräche noch nicht erfolgreich gewesen. Viele nette Kommentare, wie z. B. „Ein gutes Gespräch, in welchem sich Frau H. sehr kompetent und sympathisch präsentiert hat“, und dann hat doch eine Mitbewerberin noch besser auf die Stelle gepasst … – anderer Jahrgang??? Ich arbeite noch an der “Initialzündung” beim Vorstellungsgespräch…
… und ich gebe nicht auf – Wollen Sie wieder von mir hören? Ich freue mich auf Ihre Kommentare.




Oh, oh, der Schmerz über den verantwortlichen Arbeitsplatz sitzt doch sehr tief, was ja auch verständlich ist!
Es scheint, als wärest du noch in der Phase des nicht-glauben-können, des nicht-wahr-haben-wollen, und vor dir ist ein riesengroßes Fragezeichen im leeren Raum?
Nimm dir Zeit, um diesen Raum nicht mit scheinbaren Eindrücken zu füllen. An diesem Lebensabschnitt mußt du niemandem etwas beweisen – aber du solltest dich selbst sehr wichtig wahrnehmen und horchen, was sich stimmig und für dich richtig anfühlt!
Geh ruhig unter Menschen und bleibe in Kontakt mit ihnen, aber spiele nicht Mensch-ärgere-dich-nicht weiter mit, wenn deine vier Steine außen sind, du belügst dich selbst, tu dir das nicht an!
Alles Gute für dich und deine Visionen, die jetzt Raum bekommen können!